Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sonntag, Oktober 21, 2018

Grube Felicitas

Vor ein paar Wochen waren wir zusammen mit ein paar Freunden zum Spaßtauchen in den Bergwerken Nuttlar und Felicitas. Beide Bergwerke sind wunderschön und eine ganz neue Erfahrung für uns Höhlentaucher. Vor allem die Felicitas hatte es uns sehr angetan und wir erkannten schnell das Potential dieses Bergwerks, so planten wir zusammen mit dem Betreiber Wolfgang Röhr ein Cavebase Projekt. Besonders macht dieses Bergwerk zunächst einmal der so genannte Bremsberg, der eigentlich immer nahezu Null Sicht bietet und sich 120m dahin zieht bis man in circa 28m Wassertiefe auf die erste Sohle trifft. An einer T- Abzweigung angekommen kann man sich entscheiden in den “alten” mit Sprengarbeiten errichteten Teil zu tauchen oder in den etwas „jüngeren“ mit Maschinen errichteten. In beiden Richtungen gilt, je weiter man hinein taucht, desto besser wird die Sicht.
 
Ziele unseres Projektes waren das Bergwerk vollständig zu erkunden und auszuleinen, die Karte zu vervollständigen und bei der Erstellung eines 3D Modells mitzuwirken, Filme und Fotos zu erstellen und mindestens einen Notausgang zu erkunden. So rückten wir mit insgesamt 7 Tauchern an und bauten in der Halle vor dem Taucheinstieg unser Basislager auf.
Die Infrastruktur hätte nicht bequemer sein können, so mussten wir nur ca. 30m zum Taucheinstieg laufen und konnten auf dieser Strecke sogar noch unsere Gase auftopen. Wir verleinten am ersten Tag einen Loop um den so genannten Babaratunnel, ein imposanter Tunnel aus Metall, der sich direkt hinter den hinterlassenen Maschinen durch das Bergwerk zieht. So kann man jetzt den Tunnel auch mit einem Loop umtauchen. Hierbei wurde auch noch ein Seitenabzweig entdeckt der aber so eng wird das ein Weiterkommen mit dem Rückengerät  nicht ohne Gefahren möglich ist. Die Sicht geht sehr schnell gegen Null und der Gangverlauf wird immer enger.  Des Weiteren wurden bereits erste Depots angelegt um die weiteren Tauchgänge einfacher zu gestalten.
Am Abend des zweiten Tages erweiterten wir die EOL des linken Ganges um 120m und erreichten das Ende des Ganges der in einem senkrechten Schacht endet. Wir tauchten den Schacht nach oben, der mit einigen Plastikplanen verstopft war, räumten diese zur Seite und orientierten uns anhand der eingebauten Leiter, die Sicht trübte sofort ein. Trotz aller Hindernisse erreichten wir die Oberfläche, wir schossen schnell noch ein paar Fotos und tauchten dann zurück um den anderen zu berichten.
Zusammen mit Wolfgang Röhr erkundeten wir dann noch einen Betonschacht am Rande des Maisfeldes hinter dem Bergwerk, nachdem wir die Fotos von der Oberfläche mit denen aus der Auftauchstelle und dem Gangverlauf verglichen haben war klar, dass es sich hier um ein und dieselbe Stelle handeln musste. Wir hatten somit einen zweiten Eingang bzw. einen Notausgang erkundet. Um diesen aber auch in Zukunft sicher nutzen zu können, sollten die Plastikplanen noch entfernt werden.
An Tag 3 wurde die Tiefe Sohle erkundet, die bis auf gute 50m herunterführt, aber recht klein ist, schlechte Sicht hat und zudem auch keine Fortsetzung offenbarte. Dafür haben wir uns an den bereits bekannten „Mückengang“ im Wald neben dem offiziellen Eingang herangewagt, hier schien es offensichtlich das dieser Gang mit dem Hauptsystem verbunden ist, bisher wurde dieser Gang aber noch nicht betaucht. Der Einstieg zu diesem Pool ist voller Mücken und rutschigem Untergrund, daher der Name „Mückengang“. Der Pool war dafür Glasklar und so schickten wir zweiTaucher ins Wasser, diese hatten ziemliche Probleme geeignete „Tief offs“ zu finden. Zudem erschwerte die nachrutschende Schlammwalze mit der dazugehörigen Nullsicht das Arbeiten. Allerdings schafften es die beiden innerhalb von 15min an der vermuteten Stelle im Hauptsystem herauszukommen und markierten die gelegte Leine auch sogleich als Notausgang. So gibt es jetzt in jede Tauchbare Richtung (T- links/T- rechts) einen Notausgang.
An Tag 4 leinten wir noch einen Loop rechts umfassend des Babaratunnels und einen Loop im hinteren Bereich aus. Abends wollten wir dann noch mit dem Scooter die hintersten Ecken des rechten Bereiches erkunden. Besonders Eindrucksvoll war hierbei eine Verteilerhalle mit Schienen zum Umleiten der Loren. Hier ging es Unverleint in nahezu alle Richtungen und wir konnten hier nochmal 350m Leine auslegen. Die Sichtweiten waren in diesen Bereichen nahezu perfekt. Wir klärten in diesem Tauchgang die letzten Fragezeichen und haben somit ein wirklich sehr gutes Verständnis für den tatsächlichen Verlauf des Bergwerkes bekommen. Wir werteten zusammen mit Gunther die gemachten Videos aus und arbeiteten gewonnene Erkenntnisse wir Pingmessungen, Wassertiefen, verschüttete Gangpassagen und Bergwerksrelikte in das  von ihm erstellte 3 Modell ein.
An Tag 5 schlossen wir unser Projekt mit einem Fototauchgang und einer Aufräumaktion der angelegten Depots ab. Alles in allem war es wirklich ein sehr erfolgreiches Projekt und wir haben an einem wirklich tollen 3D Modell mitgewirkt, insgesamt 650m neue Leine verlegt, 150GB an Film und Fotomaterial gewonnen und 2 neue Ein-/Ausstiege betaucht.
 
Vielen Dank an Wolfgang Röhr, der uns dieses tolle Projekt ermöglicht hat.
Scroll to top