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Gourneyrou 2021

Teilnehmer: Marc, Steffen K., Olli O., Mats, Aline, Heinke, Steffen B., Marcel, Max, Florian, Tom

Warum nochmal zur Gourneyrou? Habt ihr dort etwas vergessen?

So oder so ähnlich könnten die Fragen lauten als bekannt wurde, dass wir dieses Jahr nach 8 Jahren wieder zur Gourneyrou aufgebrochen sind. Aber warum das Ganze? Nun, das lässt sich eigentlich ganz einfach erklären. Auf unserem Jahrestreffen haben wir nach Projekten gesucht die wir als Team meistern können. Da doch die meisten von uns noch nie die Gourneyrou getaucht sind und es von dort kaum brauchbares Kartenmaterial gibt und außerdem die „alten Hasen“ in der Cavebase immer von viel Spaß bei den Projekten erzählt haben, war der Entschluss schnell getroffen, dass wir zurück zur Gourneyrou wollen. Ziel sollte es nicht in erster Linie sein das End-Of-Line zu erreichen, sondern mit brauchbaren Daten von der Höhle zurückzukehren, um eine entsprechende Karte anzufertigen.

Im Vorfeld hatten wir aufgrund der Lage und der Topografie der Höhle viel überlegt und verschiedene Workshops geplant, um Dinge wie Habitat und Tauchgänge mit entsprechenden Jojo-Profilen zu trainieren. Leider hat uns bei der Planung mal wieder Corona den ein oder anderen Strich durch die Rechnung gezogen, sodass die angesetzten Termine leider zum größten Teil ausgefallen sind. Das Projekt rückte immer näher und wir wurden etwas nervöser. Macht es, ohne die ganze Vorbereitung, überhaupt Sinn zur Gourneyrou zu fahren? Sollten wir das Projekt auf den Herbst verschieben oder nur den ein oder anderen Testtauchgang planen und die restliche Zeit mit etwas Fun-Diving füllen? Wir merkten schnell eine gewissen Uneinigkeit im Team, es gab viele Ideen, aber keine hat so richtig für alle gepasst.

Letztendlich bestand unser Plan darin den Weg zur Gourneyrou auf uns zu nehmen, ein paar Checktauchgänge durchzuführen und dann spontan zu entscheiden, ob wir die restlichen Tage weiterhin an der Gourneyrou bleiben oder zur nahegelegenen Gourneyras schwenken und dort tauchen. Sollten die Bedingungen schlecht sein gab es auch immer noch die Option kurzfristig eine Ferienwohnung zu mieten und andere Höhlen in der Gegend anzufahren. Wir wollten erste Erfahrungen mit der Lage, mit dem Materialtransport, aber auch der Höhle selbst sammeln, sodass wir dann ggf. im 2. Projekt des Jahres oder 2022 mit einer besseren Vorstellungskraft planen können und ideal vorbereitet sind. Unser Entschluss war gefasst und so ging es am 05. Juni, für den größten Teil des Teams, los nach Süd-Frankreich. Für Samstag stand die Anreise und Aufbau des Basislagers auf dem Programm. Unsere zwei Steffens machten sich bereits am Freitag auf den Weg und waren dadurch am Samstag die ersten am Basislager. Nach gut 12-13 Stunden Fahrt, ein paar Regenschauern und etwas Stau auf der Autobahn kam das weitere Team um Mats, Aline, Marcel, Olli und Max fast zeitgleich an der Einfahrt zum eigentlichen Feldweg zur Gourneyrou an.

Jetzt sind wir gleich da, dachten sich die meisten. Das wir jetzt aber noch gut 30-45 Minuten den Feldweg in Schritttempo zurücklegen mussten, darauf war keiner mehr vorbereitet. Aber auch diese Hürde meisterten wir ohne einen defekten Reifen oder ähnliche Probleme und so kamen wir am Basislager an und bauten unsere Behausungen und den Essensbereich auf. Anschließend machten wir uns direkt auf, den Fußweg zur Höhle zu suchen. Auch dieser war nach einigen Minuten gefunden. Wir waren jedoch auch sehr überrascht, wie weit es zu Fuß war. Der Abstieg vom Feldweg zur Höhle geht über viel loses Geröll runter an die Vis, dann etwas Flussaufwärts, bis man zum Höhlenpool aufsteigen kann. Ohne Material alles gut machbar und als wir den Höhlenpool gesehen hatten, waren auch alle direkt Feuer und Flamme für das „Loch“. Die Sicht und Bedingungen sahen super aus. Max und Olli sprangen direkt mal im Adamskostüm in die Höhle. Auf dem Rückweg schauten Steffen K. Max und Olli noch kurz an der Gourneyras vorbei. Man kann hier einfach im erfrischenden Fluss ein Stück aufwärtslaufen. Zurück im Lager schmissen wir unsere Grills an und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag. Ziel war es Material über den Fußweg zur Höhle zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt planten wir ohne Seilbahn zu starten.

Am nächsten Morgen starteten wir bereits um 7:30 mit dem Frühstück, wir waren hochmotiviert und hatten viel vor. Nach dem Frühstück beluden wir das Transportfahrzeug mit dem benötigten Material und transportierten es die ca. 2 km zur Abstiegsstelle. Die Schleifsäcke wurden befüllt und das Team machte sich auf den Weg nach unten. Dort angekommen installierten wir erst einmal ein paar Seile, um uns abzusichern. Dank unserem Kefalonia-Projekt im letzten Jahr war das im Nu erledigt. Anschließend bereiteten sich Max und Olli für ein „Guggerle“ vor. Wir wollten nun wissen wie die Situation in der Höhle selbst ist. Was macht die Leinensituation? Wie ist die Sicht? Lohnt es sich noch mehr Material zur Höhle zu transportieren? All diese Fragen sollten in einer guten Stunde beantwortet sein. Die 2 tauchten nach der geplanten Zeit wieder auf und berichteten von guter Sicht und einer halbwegs intakten Leine. Nach einer kurzen Beratung legten wir fest, die Projektzeit für Aufräumarbeiten, Habitattraining und Vermessungsarbeiten zu nutzen. Es musste also mehr Material zur Höhle transportiert werden. Zurück im Lager angekommen richteten alle ihre Kreisel und benötigten Stages. Wie auch bei den letzten Projekten hatten wir einen genauen Plan, von welchen Gasen wir wie viele an welchen Stellen in der Höhle benötigen würden, sodass wir in einem Notfall immer sicher aus dem Wasser kommen. Das Transportfahrzeug wurde wieder beladen und wir machten uns erneut auf den Weg nach unten. Jeder der mal einen Ready-to-Go-JJ diesen Weg runtergetragen hat, weiß am Abend was er geschafft hat.

Am Sonntag rückte auch noch etwas Verstärkung an. Tom und Flo mussten leider auf der Anreise einen kleinen Umweg über Starnberg machen, sodass sie erst am Sonntag zu uns stoßen konnten. Nach einer kurzen Einweisung konnte auch die beiden direkt loslegen und Material richten.

 

Am Abend schürten wir wieder unsere Grills an und steckten die Köpfe zusammen was wir die nächsten Tage zu erledigen haben. Müde vom ersten Tag fielen wir anschließend alle schnell in die Zelte. Auch der Montagmorgen ging wieder bei Zeit los, frühstücken, Material richten, Fahrzeug beladen, Abmarsch um 9 Uhr. Was sich ein wenig anhört wie bei der Bundeswehr kann aber auch sehr viel Spaß machen. Für Montag war der Aufbau des Habitats geplant. Dafür hatten wir extra unser Habitat, einige Bohrhaken und eine Nemo-Schlagbohrmaschine mitgebracht. Ziel war es mit dem Nemo die Bohrhaken zu setzen und anschließend das Habitat daran aufzubauen. Leider hatten wir beim Aufbau nicht ganz so viel Glück wie wir uns erhofft hatten. Der Bohrer und die Haken wollten nicht so richtig harmonisieren und auch der Nemo machte Probleme und ist vollgelaufen. Damit rückte der Aufbau des Habitats erst einmal in weite Ferne. Eine weitere Aufgabe bestand darin, die Höhle bis zur Engstelle, von welcher uns Wilke und Tobi aus vergangenen Projekten berichtet hatten, zu betauchen. Die Engstelle befindet sich hinter dem ersten Knick im 20-30m-Bereich. Hierfür rüsteten sich Max und Olli. Als die beiden wieder aus dem Wasser kamen nannten sie die Engstelle liebevoll „Scheunentor“. Was vor 10 Jahren mit dem PSCR noch eine Engstelle war ist für einen CCR kein Problem mehr.

Auch am Montag kam nochmal Verstärkung hinzu. Heinke und Marc hatten die Anreise aus dem Hohen Norden und Osten gemeistert. Leider hatte sich Marc einen Reifen auf dem Feldweg, 50m vom Basislager entfernt, aufgerissen. Da merkt man wie schnell es gehen kann. Glücklicherweise hatte er ein vollwertiges Ersatzrad in seinem Bus und gemeinsam mit Olli konnte der Reifen an dieser ungünstigen Stelle gewechselt werden. Auch die beiden richteten sich am Basislager ein schönes Plätzchen ein.

Am Abend stand dann wieder die Planung für den nächsten Tag auf dem Programm, sowie das obligatorische Grillen. Hier und da gab es aber auch ein paar Nudeln.

Für Dienstagmorgen stand ein Vermessungs-Workshop auf dem Programm. Nicht alle im Team hatten mit dem mNemo viel Erfahrung. So haben wir nach dem Frühstück schnell ein paar Seile gespannt und Olli hat uns eine Einweisung in dessen Funktionen gegeben.

Nach ein paar Dryruns richteten wir das restliche Material und machten uns wieder auf den Weg zur Höhle. Wir hatten einen eng gesteckten Zeitplan, sodass alle Teammitglieder ins Wasser kommen sollten, ihre Aufgaben erledigen und wir das verfügbare Material effektiv nutzen konnten. Wie das halt so ist, bei einem Zeitplan funktioniert nicht immer alles ideal, es gibt mal eine Verzögerung oder auch den ein oder anderen kleinen Defekt. So ein Projekt fordert nicht nur vom Team alles ab. Auch das Material muss ganz schön was einstecken. Dennoch konnten wir unser Soll gut erfüllen. Während Mats und Schüssi neue Leine verlegten und Altbestand aus der Höhle im vorderen Bereich holten, konnten Marc, Heinke und die 2 Steffens weiter in der Höhle entsprechende Leinenarbeiten verrichten.

Max und Olli starteten auch die Vermessung an der neuen Leine. Nach einem langen Tag fanden wir uns alle wieder im Basislager zusammen. Nach einem kühlen Bad in der Vis setzen wir uns wieder an die Planung.

Das Team war sich schnell einig, dass wir doch noch eine Seilbahn aufbauen sollten. Sowohl für den Materialtransport als auch für Notfälle wäre der halbe Tag Aufbau gut investierte Zeit. Keiner wollte sich vorstellen, wie wir bei einem Notfall einen Taucher vom Pool zur Straße hochschleppen würden.

Wir planten für den Aufbau den nächsten Vormittag ein. Da Florian und Tom am Donnerstag leider bereits abreisen mussten, beschlossen wir, dass die beiden am Mittwoch den ersten Tauchgang machen sollten, während das restliche Team die Seilbahn aufbaute. Da wir sowohl Berg- als auch Talstation aufbauen mussten, konnte das Tal-Team den 2 mit den Geräten und dem Einstieg helfen und anschließend mit dem Aufbau beginnen. Währenddessen kümmerte sich das Bergteam um die Installation des Drahtseils und der Möglichkeit dieses auf Spannung zu bringen. Bei 30°C wirklich eine schweißtreibende Angelegenheit. Wie geplant stand die ganze Station innerhalb des Vormittags und wir konnten das weitere Material, dank der Schwerkraft, gemütlich abseilen. Kein Vergleich zum Fußweg! Während des Aufbaus bekamen wir plötzlich Besuch von der Feuerwehr. Diese hatte für den nächsten Tag eine Rettungsübung an der Gourneyras geplant. Für den restlichen Tag standen noch ein paar Tauchgänge auf dem Plan. Wir merkten jedoch auch wie anstrengend der Aufbau war, wodurch wir den ein oder anderen Tauchgang lieber verschoben haben. Man glaubt gar nicht wie lecker ein paar Bratkartoffeln am frühen Nachmittag schmecken können. Nichtsdestotrotz machte sich noch ein Team auf den Weg in die Höhle, um weiter zu vermessen. Auch musste das Material von Tom und Florian wieder nach oben geschafft werden. Alle im Team packten fleißig mit an.

Am Donnertag machten sich die zwei „Frühfahrer“ auf den Weg. Für das restliche Team stand Business as usual auf dem Plan. Vermessen, Leine aufräumen, ein wenig Videomaterial sammeln. Wir hatten alle Hände voll zu tun. Gerade das dicke Kletterseil, welches seit 1997 in der Höhle liegt, war eine kleine Herausforderung.

Der Freitag sollte unser letzter Tauchtag sein. Geplant war ein langer Tauchgang von Olli und Max, sowie der Materialtransport des gesamten Equipment nach oben. Es war klar, als erstes Max und Olli ins Wasser zu helfen. Da beide den JJ in „Gourneyrou-Config“ (mit 2x7l) nutzen waren sie um jede Hilfe dankbar.

Nachdem die beiden abgetaucht waren, besetzte das restliche Team Tal-, Mittel-, und Bergstation. Während an der Talstation das Material in Schleifsäcke geladen wurde und an die Seilbahn angehangen, musste die Mittelstation das Material einmal umhängen. An der Bergstation haben wir mit viel Mann- und Frauen-Power das Material händisch hochgezogen. Hier hat man jedes Kilo und jeden Meter gespürt. Nach einigen schweißtreibenden Ladungen entschlossen wir uns die schweren Geräte mit dem Auto zu ziehen. Zwischendurch hatten wir zum Glück etwas Pause, da wir auf Max und Olli warten mussten. Die beiden hatten geplant die Höhle bis zum „Scheunentor“ zu vermessen. Aufgrund der geplanten Tauchzeit haben sie ihren ppO2 reduziert, was natürlich gerade im tiefen Bereich für ordentlich Deko sorgte. Insgesamt ging der Tauchgang 7 Stunden, davon waren allein 5 Stunden in der Deko. Aber die beiden haben ihr Ziel erreicht und sogar bis 30 Meter hinter dem „Scheunentor“ vermessen. Nachdem die beiden sicher und wohlauf aufgetaucht waren, hat das restliche Team das Material weiter nach oben transportiert. Im letzten Schritt musste das Material jetzt noch von der Bergstation die 2km zurück zum Basislager transportiert werden und dann stand noch das große Sortieren an. Den Abend haben wir wieder mit leckerem Grillgut und isotonischen Getränken am Lagerfeuer ausklingen lassen. Zufrieden mit dem Erreichten und sichtlich geschafft vom Tag sind alle in die Zelte gefallen.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Aufräumens, die Autos mussten beladen, der Müll gesammelt und die Zelte abgebaut werden. Alle packten fleißig mit an und nachdem auch die letzten vermissten Autoschlüssel gefunden waren, konnten wir die Heimreise antreten. Jetzt galt es nochmal den 3km langen Feldweg unbeschadet zu überstehen. Wieder in der „Zivilisation“ angekommen statten wir erst einmal einem Supermarkt einen Besuch ab. Anschließend hieß es für uns heimfahren und das Material für das nächste Projekt vorzubereiten.

In diesem Sinne

Eure Cavebase.

 

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