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Donnerstag, November 23, 2017

Serbien, Adrijan Cave (Teil 3/3)

29.09.2012 - 06.10.2012
Teilnehmer: Andreas „Andi" Voigt, Marc Große, Oliver „Oli" Kurtz, Danny Beiert, Darko Petkovic, Steffen Kiesecker, Sven Bender

Als Abschluss unseres Aufenthaltes in Serbien 2012 hatten wir vor, noch einmal eine Position anzufahren, bei welcher wir zu unserem ersten Besuch 2010  nicht optimal vorbereitet waren. Dieses Jahr soll es anders sein…

Danny und Darko hatten sich intensiv auf „beste Bedingungen“ vorbereitet und sollten einen Tauchversuch durchführen.

„Wir überqueren einen kleinen Fluß und glücklicherweise ist der Wasserstand recht niedrig. Auf der anderen Seite angekommen, sehen wir nach wenigen Metern in den Eingangsbereich der Höhle.

Durch eine schmale Öffnung im Fels geht es ca. 10m weit hinein in eine trockene Vorhalle. Wir können hier aufrecht stehen und nach links und rechts ist ausreichend Platz.  Lehmablagerungen am Boden und den Wänden weisen darauf hin, dass dieser Bereich temporär auch Wasser führt. Weiter hinten erkennen wir die Fortsetzung.

Die Ausrüstung bugsieren wir durch einen engen Schluf in eine weitere Halle. Hier ist der gesamte Boden, die Wände und bis weit an die Decke heran,  alles stark mit Lehmablagerungen  bedeckt. Von hier aus sind es noch ca. 10 Meter bis zum etwa 4x6m großen Pool mit seinem  kristallklaren Wasser! Überall ist es rutschig und egal wo man hinfasst, sofort haftet überall feuchter Lehm dran. Fledermäuse, die wir an der Höhlendecke ausgemacht haben, stören unsere Aktivitäten offensichtlich nicht. Um die Tiere nicht unnötig zu stören, wird leise gesprochen…

Andreas, Oliver und Marc und unsere Begleiter helfen Darko und mir auf dem rutschigen Untergrund mit maximaler Unterstützung in die Ausrüstung. Es ist total rutschig. Ich komme als erster an den Pool und vorsichtig lasse ich mich rückwärts in das noch kristallklare Wasser gleiten. Dabei vermeide ich jegliche weitere Bewegung. Ich drehe mich vorsichtig auf den Bauch und mit der aufgesetzten Maske kann ich noch erkennen, wie sich der trichterförmige Pool ausrichtet und kann sehen, wo sich die Höhle weiter fortsetzten könnte, wo „das Wasser herkommt“. Am Grund des Trichters kann ich an einer Stelle saubere Kieselsteine ausmachen!  Genau dort musste eine Strömung vorhanden sein- dieser Bereich scheint sedimentfrei zu sein...

5 Sekunden später ist die Sicht völlig eingetrübt! Eine dunkelbraune Wolke wälzt sich durch den soeben noch glasklaren Pool. Selbst durch die geringsten Wasserbewegungen wirbelt das feine Lehmsediment auf. Nichts ist mehr zu erkennen, wir schwimmen quasi in Milchkaffee...

Kurze Lagebesprechung mit Darko, der mittlerweile im Wasser neben mir angelangt ist. „Darko - ich habe gesehen, wo es langgehen muss, bist Du bereit?“ Sein klares Statement-  „Auf geht's!“ Auf solche ungümstigen Bedingungen hatten wir uns schließlich ein lang Jahr vorbereitet! Nach dem Check unserer Ausrüstung befestige ich das Reel am Seil unserer Einstiegshilfe und wir tauchen ab. Da ich gesehen habe, wo es entlang gehen muss, gehe ich voran. Darko ist hinter mir im Touch Contact und wir tauchen im Kaffee ab.

Es ist wirklich gar nichts mehr zu sehen- eine Minute später erreichen wir den Grund in  3m Tiefe, es ist ein fester Unterboden aus Kieselsteinen. Seitlich kann ich einen Durchbruch ertasten. Die Decke und Seitenwände sind felsig, keine Lehmbank, hier geht es weiter. Im ca. 45°Winkel senkt sich der Boden weiter ab. Mit äußerster Vorsicht tauchen wir weiter nach vorn. Der Gang fällt weiter in östliche Richtung ab, die Gangdimensionen kann ich nicht mehr ertasten, sie nehmen zu. Ich finde eine Möglichkeit für den zweiten Befestigungspunkt. Mittlerweile können wir uns neutral austarieren, ich sehe Darkos ruhige Lampenführung neben mir und die Sicht am felsigen Boden der Höhle scheint zuzunehmen.

Ein kurzes O.K. gibt mir an, weiter nach vorn zu tauchen- und wie von Zauberhand sind wir wenige Meter weiter aus der Lehmwolke heraus und befinden uns in kristallklarem Wasser! Endlich können wir den Gang deutlicher wahrnehmen! Uuunglaublich! Unsere Lampen wandern langsam nach allen Richtungen. Der Gang ist etwa 2x2 Meter in den Dimensionen und richtet sich nach Nordosten aus. Wir haben 12m Teife erreicht.

Strömungsbedingte Ablagerungen am kieselreichen Boden zeigen an, dass hier Wasserbewegung ist. Das Karstgestein ist über schwarz bis schneeweiss verfärbt, die Wände sind teilweise scharfkantig korrodiert - und wir sehen die weitere Gangfortsetzung. Wir folgen einem kleinen Schacht. Hinter einer Engstelle scheint es weiter zu gehen. Wir tauchen durch diese hindurch und folgen dem weiteren Gangverlauf bis auf 23m Tiefe- und ständigen Richtungswechseln. Es geht immer tiefer in diese Höhle hinein. Darkos Lampenschein ist immer neben mir. Nach etwa 120m Eindringtiefe steigt das Profil des Ganges leicht auf 18m in östliche Richtung an und wir können hinter einer Kuppe tiefer in den Gang leuchten-  es geht einfach nur weiter, weiter, weiter…

Leider mahnt uns genau hier der Blick auf das Finimeter.  An einer geeigneten Stelle befestige ich das Reel, Darko trennt die Leine und wir setzen eine Markierung auf der Leine. Wir haben den vereinbarten Umkehrdruck erreicht- hier müssen wir leider umkehren. Wasser läuft in meine Maske- das passiert mir immer, wenn ich unter Wasser ein breites Grinsen im Gesicht habe. Es war mir eine Ehre, Darko!

Auf dem Rückweg geniessen wir noch einmal, was vor uns noch kein Mensch zuvor gesehen hat! Es ist ein nicht zu beschreibendes Gefühl. Die erstaunlich geringe Perkolation lässt uns  bis kurz vor den Höhlenausgang die Höhle noch einmal geniessen. Die Wasserqualität schein gut zu sein, Qualitätsproben werden darüber Aufschluss geben...

Mein Partner gleitet ruhig voraus, wir tauchen in Ruhe in Richtung Ausgang und erst hier merke ich, wie mein Puls doch ein wenig abfällt.  Bevor wir im Höhlenpool den Kopf nach 45 Minuten wieder aus dem Wasser stecken können, folgen wir unserer Leine durch den Kaffee und werden mit einem leisen Applaus von unserem Team begrüßt. Jeder freut sich mit uns. Team Cavebase hat eine weitere Höhle zum ersten Mal erfolgreich betaucht!"

Offensichtlich wurden unsere Aktivitäten in Serbien auch auf höherer Ebene beobachtet. Noch halb im Trocki werden Danny, Darko und das Team am Parkplatz unserer Fahrzeuge vom Serbischen Minister für Natur und Umwelt, Herr Srdjan Belij,  begrüßt! Angereist mit einer kleinen Delegation wird noch vor Ort die weitere Zusammenarbeit mit CAVEBASE besprochen. Da wir diese Höhle als erste Menschen betaucht haben, dürfen wir als Team CAVEBASE der Höhle einen Namen geben. Wir überlassen Darko die Namensgebung. Zukünftig wird diese Höhle den Namen seines Sohnes „Adrijan“ tragen.

In diesem Sinne,
Eure Cavebase

Hier die Schönsten Fotos:

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