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Sonntag, Mai 28, 2017

Serbien 2011 Cavebase und DIR-Austria

Teilnehmer Cavebase: Peter Gärtner, Darko Petkovic, Manu Schoch
Teilnehmer DIR-Austria: Clemens Schützenhofer, Oliver Ferner-Prantner
Gast: Tomasz Stachura

Wir hatten auch für das Jahr 2011 ein Projekt in Serbien geplant, um an die Bemühungen des letzten Jahres anzuknüpfen. Es sollte wieder ein gemeinsames Projekt mit Mitgliedern der Cavebase und DIR-Austria werden, als Gast hatten wir

Tomasz von Santi eingeladen. Wir lernten ihn persönlich auf der Boot kennen und sprachen darüber, ob er nicht Lust hätte ein Projetk bei uns zu begleiten.Mit Oliver und Clemenzo von der DIR-Austria pflegen wir schon seit einigen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis und somit war das für alle eine gute Idee.

03.10.11 Anreise

Für die gemeinsame Reise durch Österreich und Ungarn trafen wir uns mit unseren österreichischen Freunden in der Nähe von Wien und fuhren bis zur Grenze Ungarn – Serbien, wo wir dann Tomasz einsammelten.

Der Übertritt dieser EU-Aussengrenze ist immer wieder Herausforderung und Abenteuer zu gleich. Diesmal benötigten wir für das Passieren keine 2 Stunden - rekordverdächtig. Aber ohne Darkos Verbindungen und der freundlichen Unterstützung der Stadt NIS hätten wir größere Schwierigkeiten gehabt. Nach der Grenze hielten wir erst mal an und tranken einen Kaffee.

Ab hier lagen noch 4 Stunden Autofahrt vor uns. Manu wechselte das Auto und leistete Tomasz für die Fahrt durch die Nacht Gesellschaft. Erstes Ziel war die Gegend um NIS. Dort wählten wir dieselbe Unterkunft in Niska Banja wie die letzten zwei Mal. Doch davor gab es noch einen serbischen Döner. In Niska Banja erwartete uns Bane bereits mit einem Begrüßungstrunk (Slibowitz.)

04.10.11 NIS

Nach deutlich zu wenig Schlaf genossen wir erst einmal ein serbischen Frühstück mit allerlei Selbstgebackenem. Der Tag war voller Termine und so brachen wir bald auf.

Zuerst erwartete uns ein Termin im Rathaus, kleiner Empfang mit Pressekonferenz. Wir trafen unsere alten Bekannten aus der Geologen / Speologen Szene und vereinbarten auch gleich ein paar Ausflüge für die nächsten 2 Tage.

Aber bevor wir uns auf den Weg zu den Höhlen machten benötigten wir ganz dringend eine kulinarische Stärkung, Balkanplatte im Brötchen.

Unser erstes Ziel war eine bereits bekannte Position in der Nähe der Cerjanska pecina. Ein paar Leute von der Stadt hatten für uns den Eingang vergrössert, ein paar Steine weggeräumt und einen Abpumpversuch durchgeführt. Insgesamt sah dieser Eingang recht vielversprechend aus. Peter schlüpfte in seinen Trocki und wollte mit kleinem Gerät mal nachschauen. Mit D7 auf dem Rücken und mit Kletterseil gesichert, fing er an zu graben und schaffte ein paar Meter. Bei dem lehmigen Untergrund war die Sicht schnell bei „0“. Leider wurde der Hang im Einstiegsbereich schnell instabil und so beschlossen wir, die Grabungsarbeiten vorerst einzustellen. Aber wir vereinbarten für den nächsten Tag einen erneuten Besichtigungstermin, um zu sehen, wie schnell sich das Sediment setzt und ab wann wieder mit einer betauchbaren Bedingungen zu rechnen sei.

Beim letzten Besuch hatten wir ganz in der Nähe eine zweite Höhle besichtigt, diese stand als nächstes auf dem Programm. Dazu mussten wir einen Bach überqueren und ein paar Meter Trockenteil überwinden. Und schon standen wir wieder an der Lehmrutsche. Das Wasser war kristall klar. Doch ein falscher Schritt, schon lösten sich ein paar Lehmbrocken und die Sicht war schlagartig zunichte. Im Wasser liessen sich zwei Eisenstangen erkennen, ein Zeichen dafür, dass sich bereits andere Taucher / Forscher Gedanken gemacht haben, wie diese Höhle zu betauchen / erforschen sei. Für uns endete die heutige Entdeckungstour hier.

Wir verabredeten uns für den Abend mit Frau Dragana Michalowic beim Italiener, sie war so freundlich uns einen Bus für die Fahrt in die Stadt zu organisieren.

05.10.11 NIS

Für Darko, Peter und Manu klingelte der Wecker heute etwas früher. Die drei ließen sich zu einem Interview im Frühstücksfernsehen hinreißen. Wieder zurück in der Unterkunft packten wir die Autos, beglichen die Rechnung und verabschiedeten uns von unseren Freunden in Niska Banja. Als erstes wollten wir uns noch einmal die Position vom Vortag ansehen. Wie erwartet war die Sicht immer noch sehr schlecht, zwar etwas besser, aber weit entfernt von den Bedingungen vor unserem Grabungsversuch. Eins wurde uns klar, bei weiteren Versuchen braucht diese Höhle ein paar Tage Pause dazwischen. Den Nachmittag verbrachten wir mit einer kleinen Scoutingrunde.

Zum Abschied verteilten wir unsere T-Shirts (die hatte diesmal Tomasz mitgebracht), wir bekamen auch noch eine kleine Erinnerung der Stadt Nis, mit allen ein Gruppenfoto und schon waren wir auf dem Weg zu unserem nächsten Einsatzort. Es ging nach Krepoljin zu unserem bekannten Forellenhof. Hier erwartete uns schon eine kleine Balkanplatte. Nebenbei besprachen wir den Ablauf der nächsten zwei Tage, ein Tag für den Set-up und ein Tag für den Push-Dive und anschließend Clean up.

06.10.11 Krepoljin Krupajsko Vrelo (Forellenhof)

Bei bestem Wetter starteten alle ganz euphorisch mit den Vorbeitungen. Es galt nun das ganze Equipment zum Höhlenpool zu bringen. Ein paar Stages und Rentnertische kamen zuerst, sowie die kleinen Geräte für die Set-up Dives. Peter und Darko sprangen als erste in Wasser, um die Bedingungen zu checken und die Leine vom Pool zur Hauptleine zu legen. In der Zwischenzeit brachten wir noch Scooter, Heizröhre und weitere Stages und Doppelgeräte zum Pool.

Die ersten Infos waren ernüchternd, die Sicht betrug im betauchten Berich maximal 3m, keine Traumweiten, aber auch nicht unmöglich.

Bevor das nächste Team ins Wasser ging, schleppten wir erst noch gemeinsam das Habitat in den Höhlenpool.

Gleich im Anschluss bereiteten sich Tomasz und Manu für den Deep Support vor. Sie sollten im weiteren Höhlenverlauf die Leinensituation checken, ggf. Leine flicken und ein paar Stages im Schacht deponieren. Auf 21m wurden die ersten Dekostages deponiert, auf 57m wurde das tiefe Dekogas, sowie eine Heizröhre für Oliver abgelegt. Die tiefen Bottom Gase sollten auf ca. 80m platziert werden. Voll gepackt mit den Stages für Clemenzo und Oliver und natürlich den eigenen Flaschen tauchte das Team ab. Die Leine war überall intakt und so erreichten die beiden zügig den Schacht. Auf 21m befindet sich ein kleiner Sims in der Felswand, ideal um die Flaschen hinein zu legen. Im weiteren Verlauf wird es immer kniffliger. Der Schacht ist nahezu vertikal, ebenso verläuft die Leine fast senkrecht mit wenigen Tie offs. So befestigten wir Schlingen / Leashes in der Wand, um die Flaschen hinein zu klippen. Auf dem Rückweg begegneten uns Clemenzo und Oliver auf 21m. Zum eingrooven brachten sie das 75m Gas rein und legten es auf 36m ab. Nach 2 Stunden war das Deep Support Team wieder draussen.

Die Taucher zum Habitat setzten machten sich gerade fertig. Für die meisten war es die erste Erfahrung ein Habitat zu plazieren. Der große Tauchgang machte kein Habitat zwingend nötig, erhöht aber zweifelsohne den Komfort und die Dekoqualität. Und so wollten wir die Gelegenheit nutzen. Bei mittlerweise 2m Sicht konnte keine geeignete Stelle gefunden werden, nach mehrfachen Versuchen brachen wir ab. Für alle eine gute Erfahrung.

Tomasz nutzte den Tag für ausgiebige Fotodokumentation über und unter Wasser.

07.10.11 Krepoljin Krupajsko Vrelo (Forellenhof)

Hmmmm, der Tag begann für Oliver und Clemenzo mit ausreichend Kohlenhydraten, so ein Pastafrühstück ist immer wieder gewöhnungsbedürftig. Aber dieser Tag war anders als die Tage davor. Die Spannung spürte man förmlich in der Luft. Jeder arbeitete konzentriert. Der Ablauf wurde noch einmal genau durchgesprochen, der Zeitplan am Whiteboard fixiert. Tomacz ging schon früher ins Wasser und erwartete die Taucher unter Wasser, um ein paar Fotos zu machen.

 Gegen 11:00 tauchten Oliver und Clemenzo ab.

Für den Rest des Teams begann jetzt schon die Aufräumarbeit. Das Habitat zu bergen, ging dank dreier Hebesäcke deutlich leichter als gedacht. Kaum zurück musste das Team Darko und Manu wieder ins Wasser. Sie hatten die Aufgabe, Oliver und Clemenzo auf ca. 36m die nicht mehr benötigten Flaschen abzunehmen. Zu ihren Erstaunen trafen sie die Zwei (bei Einhaltung des Zeitplans) bereits auf 17m im Schacht. Sie nahmen die nicht mehr benötigten Flaschen entgegen, fragten noch ein „OK“ ab und brachten alles nach draussen.

Irgendetwas schien vorgefallen zu sein, aber beiden ging es gut, das war das Wichtigste. Eigentlich wollten wir noch ein paar Vermessungen durchführen, in Anbetracht des gerafften Zeitplanes entschieden wir uns für einen zügigen clean up.

Es bedurfte noch zweier kürzerer Tauchgänge des Support Teams und mit den letzten Deko Minuten war die Höhle praktisch aufgeräumt. Tomasz begleitete die Tauchteams den ganzen Tag im flachen Teil mit seiner Kamera, trotz schlechter Sicht und erschwerter Bedingungen konnte unsere Unternehmung ziemlich gut dokumentiert werden. Vielen Dank an dieser Stelle!

Oliver und Clemenzo kamen ziemlich geschafft und enttäuscht aus dem Wasser. Die beiden hatten bereits das Ende der Leine auf 123m erreicht, das Reel zur Leinenverlängerung eingeknüpft und wollten mit der weiteren Exploration der Höhle beginnen. Ein Materialversagen auf Tiefe aber zwang das Team leider zum Abbruch des Tauchgangs. Das reduzierte die geplante Grundzeit auf 5 Minuten und die Gesamttauchzeit von 6 Stunden auf 4,5 Stunden.Beim Aufstieg hatten die beiden im Schacht noch ein paar Vermessungsdaten aufgenommen. Zur Entspannung und zum Abschalten sprangen die Zwei erst mal in den Pool mit Thermalwasser.

Bei allen machte sich ansteckende Betriebsamkeit breit. Es galt noch die letzten warmen Sonnenstrahlen und das Tageslicht zum packen der Autos zu nutzen.

Den Abend ließen wir bei Balkanplatte, Pivo und schönen Bildern aus Tomeks Kamera ausklingen.

08.10.11 Abreise

Pläne sind dazu da, sie der Situation entsprechend zu modifizieren. Unsere geplante frühe Abreise scheiterte bereits an den Öffnungszeiten der Polizeistation, bei der wir uns wieder abmelden mussten. So machten wir uns, nach Abwicklung aller Formalitäten, gegen 9:00 auf den verregneten Weg Richtung Heimat.

Für den Übertritt Serbien – Ungarn (EU) mussten wir „staubedingt“ auf eine andere / kleinere Grenzstation ausweichen. Die Passage ging überraschend schnell. Wir waren endlich wieder in der EU angekommen. Ab hier ging es dann zügig Richtung Budapest, wo wir uns dann endgültig trennten und in die ursprüngliche Konstellation der Fahrzeugbesetzung wechselten.

Die letzten 1000km wollten nicht vergehen, Starkregen und Staus auf Deutschlands Autobahnen gaben uns den Rest. Ankunft nach 18h Fahrt um 3 Uhr morgens.

Manu Schoch

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